Midnite – Ride Tru
Ride Tru ist eines dieser Alben, die nicht einfach gehört, sondern durchlebt werden. Midnite – damals noch in der klassischen Formation mit Vaughn Benjamin als Stimme und spirituellem Zentrum – liefern hier ein Werk, das wie ein stiller, aber unerschütterlicher Monolith im modernen Roots-Reggae steht.
Es ist ein Album, das nicht versucht, zu gefallen. Es versucht, wahr zu sein. Und genau darin liegt seine Kraft.
Produziert von I Grade Records, trägt Ride Tru die typische Handschrift der St. Croix-Schule: warme, organische Basslinien, sparsame, aber präzise Gitarrenfiguren, tiefe, meditative Drum-Patterns und viel Raum, viel Atem, viel Bewusstsein
Der Mix ist klar, aber nie steril. Alles klingt wie aus einem einzigen Atemzug – ein lebendiger, pulsierender Dub-Organismus.
Vaughns Vortrag ist hier besonders konzentriert.
Er murmelt, chantet, predigt, flüstert, mahnt – oft in einem einzigen Satz.
Calm the Day: Ein ruhiger, fast schwebender Einstieg. Der Bass rollt wie eine Welle, Vaughn öffnet das Album mit einer Bitte um Klarheit und Bewusstsein.
To Them: Ein klassischer Midnite-Track: hypnotisch, repetitiv, mit einer unterschwelligen Dringlichkeit. Der Song wirkt wie ein Gebet und eine Warnung zugleich.
To Ge Da: Einer der melodischeren Momente. Hier zeigt sich Vaughns Fähigkeit, Einheit und Gemeinschaft nicht nur zu predigen, sondern hörbar zu machen.
Restore: Ein Track über Heilung – politisch, spirituell, historisch. Der Rhythmus ist trocken, fast asketisch, was die Botschaft verstärkt.
Credited: Ein meditatives Stück über Verantwortung und Wahrheit. Der Bass trägt den Song wie ein Herzschlag.
Conquering Lion: Ein klassischer Rastafari-Moment. Der Song wirkt wie ein Ritual – streng, würdevoll, unerschütterlich.
Voices of the Remnancy: Einer der stärksten Tracks des Albums. Vaughn klingt hier wie ein Chronist einer verlorenen, aber nicht vergessenen Geschichte.
Haile Selassie I the First Time: Ein spirituelles Zentrum des Albums. Der Rhythmus ist weich, aber bestimmt – wie ein Schritt auf heiligem Boden.
Arise Again: Ein Aufruf zur Erneuerung. Der Song hat eine fast hymnische Qualität, ohne je kitschig zu werden.
I Beseech JAH (feat. Pressure): Pressure bringt eine zusätzliche emotionale Farbe hinein. Ein wunderschöner, intensiver Moment der Demut und Bitte.
Worry Free: Einer der zugänglichsten Songs. Ein warmer, fast tröstlicher Track – aber nie banal. How I & I Carry On: Ein Song über Ausdauer, Würde und die Last der Geschichte. Vaughn klingt hier besonders verletzlich.
Ride Tru: Der Titeltrack ist ein epischer Abschluss: 7 Minuten lang ein meditativer Strom aus Bass, Atem und Bewusstsein.
Ein würdiger Abschluss eines Albums, das wie ein spiritueller Weg wirkt.
Ride Tru ist kein Album für den schnellen Konsum.
Es ist ein Werk für Menschen, die bereit sind, hinzuhören, nachzudenken, mitzuschwingen.
Es ist eines der Alben, die Midnite zu einer der wichtigsten Stimmen des modernen Roots-Reggae gemacht haben – nicht laut, nicht aggressiv, sondern tief, konsequent und wahrhaftig.
Wenn man sich darauf einlässt, ist Ride Tru weniger ein Album als ein Zustand.
Songs
01. Calm The Day
02. To Them
03. To Ge Da
04. Restore
05. Credited
06. Conquering Lion
07. Voices of The Remnancy
08. Haile Selassie I The First Time
09. Arise Again
10. I Beseech Jah feat. Pressure
11. Worry Free
12. How I & I Carry On
13. Ride Tru
©2014 I Grade Records

Midnite – Ride Tru

