Phill Pratt – Star Wars Dub
Wenn man das Cover von Phill Pratts „Star Wars Dub“ aus dem Jahr 1978 zum ersten Mal sieht, erwartet man unweigerlich ein cheesy Weltraum-Spektakel, billige Lasereffekte oder einen verfremdeten orchestralen John-Williams-Remix.
Das fantastisch-skurrile Artwork zeigt ein Gemälde, das man am besten als „Darth Rastafari“ beschreiben kann. Doch hinter diesem offensichtlichen (und genialen) Popkultur-Trittbrettfahren verbirgt sich ein absolut ernstzunehmendes, roots-lastiges Heavyweight-Dub-Meisterwerk.
Um es direkt vorwegzunehmen: Die Musik hat – abseits des Titels und des Artworks – absolut nichts mit Star Wars zu tun. Wer hier R2-D2-Piepsen sucht, wird enttäuscht. Was man stattdessen bekommt, ist jamaikanische Handwerkskunst der goldenen Ära auf höchstem Niveau.
Es wird stark vermutet, dass die Riddims von den legendären The Revolutionaries (unter anderem mit Sly & Robbie an Drums und Bass) im Channel One Studio eingespielt wurden. Das hört man in jeder Sekunde:
Die Basslines: Ultra-gesättigt, tief und hypnotisch. Sie ziehen sich wie ein schwerer Teppich durch das Album.
Die Rhythmusgruppe: Knochentrockene Drum-Rolls, die perfekt mit den typisch schleppenden Orgel- und Klavier-Akkorden verzahnt sind.
Die Effekte: Pratt setzt Hall (Reverb) und Echo-Effekte extrem pointiert ein. Statt den Sound in einer Effektwand zu ertränken, bleibt die Produktion angenehm aufgeräumt, roh und fokussiert („stripped-down“).
„Dieses Album ist kein billiger Cash-In, trotz des Namens. Es ist purer, ungestreckter Roots-Dub der späten 70er Jahre.“
Phill Pratt (George Phillips Pratt), der leider bereits verstorben ist, hat mit diesem Album bewiesen, warum er zu den einflussreichsten, wenn auch oft unterschätzten Produzenten Jamaikas gehört (er produzierte u.a. auch Klassiker für Dennis Brown und Horace Andy).
Star Wars Dub war jahrzehntelang ein extrem rares, teures Sammlerstück, bei dem die Originalpressungen von 1978 für dreistellige Summen gehandelt wurden.
Das britische Label Burning Sounds hat das Album glücklicherweise wiederveröffentlicht (unter anderem als auffälliges „Purple Transparent Vinyl“).
Wer tiefen, basslastigen und schnörkellosen 70s-Dub liebt und eine Schwäche für ikonische Cover-Art hat, kommt an dieser Scheibe schlicht nicht vorbei. Möge der Bass mit dir sein!
Songs
1. African Communication 3:55
2. Which Clapp 3:34
3. Star Wars 3:59
4. Side Walk Rider 2:56
5. Tower Dub 4:47
6. Stay Loose 3:50
7. Con-Man 4:04
8.Concertman 3:56
9.Roffa Yet 2:58
©2016 (1978) Burning Sounds Records

